Schlagen Sie einen IKEA-Katalog auf – irgendeine Seite. Das perfekt ausgeleuchtete Schlafzimmer, das Licht auf der Arbeitsplatte, die Falten im Sofa. Ein Großteil dieser Bilder ist nie fotografiert worden. Es sind Renderings. IKEA begann 2006 mit einem einzigen digitalen Stuhl – heute entsteht die Bildwelt des Konzerns überwiegend am Rechner. Nicht, weil es niemandem auffällt. Sondern weil es niemandem auffallen muss.
Was der Möbelkonzern aus Logistikgründen begonnen hat – keine Prototypen mehr um die halbe Welt verschiffen, nur um sie zu fotografieren –, ist für Marken heute eine gestalterische Chance. Denn 3D kann mehr, als Fotografie zu erweitern. Es kann eine Brand Identity erweitern. Um eine Dimension, die im Digitalen den Unterschied macht: Bewegung.
Der Feed steht nie still
Marken werden heute dort erlebt, wo gescrollt wird. Und dort hat sich das Kräfteverhältnis längst verschoben: Video macht inzwischen über 60 Prozent des gesamten Social-Media-Konsums aus. Selbst auf LinkedIn – einer Plattform, die einmal aus Text bestand – erzielen Videobeiträge rund dreimal so viel Resonanz wie reine Textposts.
Für Marken heißt das: Ein Corporate Design, das nur auf der Fläche funktioniert, ist nur halb fertig. Logo, Farbe, Typografie – das Fundament bleibt. Aber wer digital bestehen will, muss Marke von Anfang an in Bewegung denken. Nicht als Nachtrag. Als Prinzip.
Genau hier setzen 3D Elemente an. Sie sind das Bindeglied zwischen statischer Identität und bewegtem Markenerlebnis – aus derselben Formensprache gebaut, für beide Welten gemacht.
Das erweiterte Fotoshooting
Am greifbarsten wird das bei der Produktinszenierung. Für TOWELLO – ein gepresstes Erfrischungstuch, das sich bei Kontakt mit Wasser entfaltet – haben wir den entscheidenden Produktmoment in 3D gebaut: das Aufblühen selbst. Eine Kamerafahrt, die sich um das entfaltende Tuch legt. Wasser, Material, Zeitlupe. Ein Bild, das in einem realen Shooting so nicht entsteht – oder nur mit einem Aufwand, der in keinem Verhältnis steht.
Und die Szene arbeitet weiter. Neue Produktfarbe? Ein Materialwechsel im Rendering, kein zweites Shooting. Anderes Format, andere Perspektive, andere Animation – alles aus demselben Setup. 3D ist damit kein Ersatz für Fotografie. Es ist ein Fotoshooting ohne die Grenzen eines Fotoshootings.
Ein System, kein Bild
Der eigentliche Wert zeigt sich aber erst auf Markenebene. Ein gutes 3D Key Visual ist kein Einzelmotiv, das man einmal produziert und dann aufbraucht. Es ist ein System: wenige, klare Regeln – daraus unendlich viele Varianten.
Das löst ein Dilemma, das jede Marke kennt. Wiedererkennbarkeit verlangt Wiederholung. Aufmerksamkeit verlangt Abwechslung. Ein durchdachtes Keyvisual-System liefert beides: hohe Varianz in den Motiven, hohe Konstanz im Charakter. Jedes Bild ist neu. Und jedes Bild ist unverkennbar die Marke.
Drei Projekte zeigen, wie unterschiedlich diese Idee aussehen kann.
Schlütersche: Wenn die Wortmarke zum Bildsystem wird
Beim Rebranding der Schlütersche Mediengruppe war die Frage nicht, welches Motiv zur Marke passt – sondern was bereits in ihr steckt. Die Antwort fand sich im „Ü" der Wortmarke. Aus seiner Geometrie entstanden abstrakte Formen, die sich im Raum anordnen und erst durch Bewegung ihre Struktur finden.
Was als loses Ensemble beginnt, fügt sich zusammen. Das Markenversprechen „Powerful Connections" wird nicht behauptet. Es passiert – in jedem Motiv, in jeder Animation, aufs Neue. Das System trägt den gesamten Auftritt, vom Bewegtbild bis zum Standbild, und wurde 2026 mit zwei German Brand Awards ausgezeichnet.







TRAUMSTART: Sieben Motive, eine Geste
Die Gründungsinitiative TRAUMSTART richtet sich an Menschen kurz vor dem Sprung in die Selbstständigkeit. Der Moment davor – Schuhe binden, bereit machen, losgehen – wurde zum Kern der Kampagne.
Im Zentrum: ein Schnürsenkel. Aus ihm formen sich sieben Motive – Schuh, Cupcake, Schraubenzieher, Hemd, Tasse, Hammer, Stift. Jede Branche bekommt ihr eigenes Bild, alle erzählen dieselbe Geschichte. Die animierten 3D Keyvisuals tragen die Kampagne über Plakat, Web und Social Media – ein einziges Konzept, das eine ganze Kommunikationslinie zusammenhält.





ZAUNERGROUP: Ein Claim wird sichtbar
Die ZAUNERGROUP baut Industrieanlagen und Rohrleitungen für die großen Zukunftsindustrien – von Life Science bis Green Technology. Ihr Credo: Lasting Connections. Ein starker Claim. Und eine gestalterische Herausforderung, denn was das Unternehmen leistet, entzieht sich der klassischen Bildsprache. Baustellenfotos zeigen Arbeit. Sie zeigen nicht die Idee dahinter.
Also haben wir den Claim direkt übersetzt: in eine abstrakte 3D Visualisierung, die Verbindung als Form begreift – präzise, beständig, im Raum. Als Standbild verdichtet sie die Haltung des Unternehmens auf einen Blick. Animiert macht sie erlebbar, was „lasting" bedeutet: Elemente, die sich finden, ineinandergreifen und halten.


Erweiterung statt Neuanfang
Das Beste daran: Nichts davon verlangt ein Rebranding. 3D Elemente docken an das Bestehende an – an die Formensprache, die Farbwelt, die Haltung der Marke. Sie ergänzen das Fundament um Raum und Dynamik, ohne es anzutasten.
Sinnvoll wird das immer dann, wenn das Corporate Design steht und der Auftritt trotzdem austauschbar wirkt. Wenn abstrakte Leistungen ein Bild brauchen, das es so noch nicht gibt. Wenn eine Kampagne ein Motiv verlangt, das über alle Kanäle hinweg funktioniert. Oder wenn Bewegung endlich Teil der Markenwahrnehmung werden soll – und nicht nur ein Video unter vielen.
IKEA hat vorgemacht, wohin die Reise geht. Die spannendere Frage ist, was Marken daraus machen: nicht billigere Bilder. Sondern eine Bildwelt, die ihnen wirklich gehört.
Sie überlegen, wie 3D Ihre Marke weiterbringen kann? Schreiben Sie uns – wir denken Ihre Marke gerne in Bewegung.




